Beim Autokauf suchen viele Menschen nach Möglichkeiten, Geld zu sparen, ohne auf Qualität verzichten zu müssen. Eine dieser Optionen ist der Kauf eines EU-Importfahrzeugs beziehungsweise eines Reimports. Rund um dieses Thema gibt es jedoch zahlreiche Mythen und Missverständnisse, die potenzielle Käufer verunsichern. In diesem Artikel klären wir die sieben häufigsten Irrtümer auf und zeigen, worauf es beim Kauf wirklich ankommt.
Inhaltsverzeichnis
Mythos Nr. 1: „Der Kauf von EU-Importfahrzeugen ist unseriös“
EU-Importe sind Fahrzeuge, die ursprünglich für einen anderen EU-Markt produziert und später nach Deutschland importiert werden – unabhängig vom Herstellerland. Reimporte hingegen sind Autos deutscher Hersteller, die zunächst für den Export ins EU-Ausland bestimmt waren und dann zurück nach Deutschland gebracht werden. Bei beiden Varianten können deutsche Käufer auf Grund von länderspezifischen Preisstrategien oft Geld sparen. In Staaten mit höheren Steuern, geringerer Nachfrage oder geringerer Kaufkraft senken Hersteller die Netto-Basispreise, was Importeure nutzen, um Fahrzeuge günstiger nach Deutschland zu importieren. Das ist absolut legal und bringt einen Kostenvorteil von bis zu 30 %. Wie überall gibt es aber auch unter den Importeuren schwarze Schafe. Deshalb sollte genau darauf geachtet werden, dass ein seriöser Anbieter beauftragt wird, um ein EU-Importfahrzeug zu kaufen.
Mythos Nr. 2: „EU-Reimporte haben eine schlechtere Qualität als deutsche Neufahrzeuge“
Ein weiterer großer Irrtum ist die Annahme, dass EU-Importfahrzeuge im Vergleich zu Modellen aus dem deutschen Markt minderwertig seien. Tatsächlich stammen diese Fahrzeuge oft aus denselben Fabriken und sind nach denselben Standards gefertigt. Die Europäische Union schreibt einheitliche Zulassungsrichtlinien vor, die alle Fahrzeuge erfüllen müssen – unabhängig vom Zielmarkt.
Mythos Nr. 3: „Die Ausstattung von Reimportfahrzeugen ist immer schlechter“
Da Autos in verschiedenen Ländern je nach Marktanforderungen angepasst werden, kann die Ausstattung variieren. Das muss aber kein Nachteil sein! Ein Beispiel: In Süd- oder Osteuropa sind Klimaanlagen oft serienmäßig verbaut, während sie in Deutschland optional sind. Dagegen können in Skandinavien beheizbare Sitze oder Scheinwerferwaschanlagen Standard sein, die in Deutschland nur gegen Aufpreis erhältlich sind. Es kommt also ein Stück weit auf die persönlichen Vorlieben an, ob eine Ausstattung als besser oder schlechter als die deutsche Entsprechung empfunden wird. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen eine abweichende Ausstattung zu Problemen führen kann. Deutsche Versicherungen werten die elektronische Wegfahrsperre in der Regel als Sicherheitsstandard, weshalb höhere Beiträge fällig werden, wenn diese fehlt. In anderen Ländern der EU ist dieses Feature jedoch noch nicht überall der Standard. Wer ein EU-Importfahrzeug kaufen möchte, sollte sich also immer genau über die Ausstattung des jeweiligen Wagens informieren und sichergehen, dass sie deutschen Bestimmungen entspricht.
Mythos Nr. 4: „Durch zusätzliche Kosten zahlt man bei EU-Importen am Ende drauf“
In anderen Ländern werden Fahrzeuge häufig stärker besteuert als in Deutschland. Hersteller reagieren darauf, indem sie die Nettopreise senken. In Dänemark wird beispielsweise eine Zulassungssteuer fällig, die zwischen 25 % und 150 % des Handelspreises beträgt. Solche nationalen Steuern müssen jedoch nicht gezahlt werden, wenn nichtzugelassene Wagen nach Deutschland importiert werden. Zunächst muss also nur der Nettopreis für den EU-Reimport gezahlt werden. Falls ein Importeur beauftrag wird, erhält dieser selbstverständlich eine Provision. Kümmert man sich eigenständig um die Überführung, fallen weitere Kosten an, etwa für die Anreise, für Sprit, etwaige Übernachtungen und dergleichen. Das EU-Importfahrzeug muss für die Überführung versichert sein, was ebenfalls mit Kosten verbunden ist. Zudem wird ein Überführungskennzeichen des jeweiligen Landes benötigt, wofür oft auch Kosten in geringer Höhe anfallen. Sobald das Fahrzeug in Deutschland zugelassen wird, wird außerdem die deutsche Mehrwertsteuer in Höhe von 19 % fällig. Zwar fallen beim Kauf eines EU-Importfahrzeugs oder Reimports diverse zusätzliche Kosten an, diese können mit etwas Rechercheaufwand jedoch meist gut vorab kalkuliert werden. In den meisten Fällen kann dank der günstigen Nettopreise dennoch ordentlich gespart werden.
Mythos 5: „EU-Reimporte haben keine Garantie“
Beim Kauf eines EU-Importfahrzeuges gilt das Kaufrecht des Landes, aus dem das Fahrzeug reimportiert wird. Viele Käufer befürchten deshalb, dass ein EU-Reimport keine Garantie hat oder dass diese nicht in Deutschland gilt. In Wahrheit bieten die meisten Hersteller aber eine europaweite Werksgarantie an, sodass auch ein in einem anderen EU-Land gekauftes Fahrzeug in Deutschland meist problemlos gewartet und repariert werden kann. Wichtig ist, sich vor dem Kauf über die genauen Garantiebedingungen des jeweiligen Herstellers zu informieren, da es in einzelnen Fällen Unterschiede geben kann. Einige Hersteller verknüpfen die Garantie mit der Durchführung von Wartungen in Vertragswerkstätten. Andere setzen auf eine gestaffelte Garantie, die je nach Land unterschiedlich lang sein kann. Hier lohnt sich ein Blick in die Bedingungen, um sicherzugehen, dass man den vollen Garantieanspruch nutzen kann. Die Garantieunterlagen müssen Datum, Unterschrift, einen Stempel des ausländischen Händlers und die Fahrgestellnummer beinhalten und werden beim Kauf übergeben. Die Garantiezeit läuft üblicherweise ab der Erstzulassung.
Mythos 6: „Die Versicherung für Reimportfahrzeuge ist teurer“
Es stimmt nicht, dass Reimportfahrzeuge per se höhere Versicherungskosten verursachen. In der Praxis orientiert sich die Kfz-Versicherung an Faktoren wie dem Fahrzeugtyp, der Motorisierung und der Schadenfreiheitsklasse des Fahrers – nicht daran, ob das Auto importiert wurde. Ein EU-Reimport hat also in der Regel keinen Einfluss auf die Versicherungskosten, solange die Typklasseneinstufung identisch ist. Falls es sich um eine abgewandelte Version handelt, kann es sein, dass das Fahrzeug von der Versicherung neu eingestuft wird. Dies kommt jedoch eher selten vor und betrifft vor allem exotischere Modelle oder spezielle Sonderausstattungen. Grundsätzlich gilt: Ehrlich währt am längsten. Die Versicherung sollte sämtliche Informationen über das Fahrzeug erhalten, damit ein passendes Angebot gemacht werden kann.
Mythos 7: „EU-Importe sind schwierig zuzulassen“
Viele Interessenten denken, dass die Zulassung eines EU-Reimportfahrzeugs kompliziert oder sogar mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Tatsächlich ist die Zulassung in Deutschland in den meisten Fällen problemlos möglich. Jedes Auto aus einem EU-Land verfügt über eine europäische Konformitätserklärung (CoC-Papier), die die Zulassung erleichtert. Einzig in seltenen Fällen, etwa bei speziellen Modellen mit abweichenden Spezifikationen, können zusätzliche Prüfungen erforderlich sein. Durch die EU-Binnenmarktregeln ist die Zulassung von Reimporten also meist unkompliziert – vorausgesetzt, die Dokumentation ist vollständig und das Fahrzeug entspricht technisch den deutschen Vorgaben. Wer sich vor dem Kauf beim zuständigen Straßenverkehrsamt informiert, kann Verzögerungen vermeiden und den Prozess beschleunigen. Wird ein deutscher Importeur als Vermittler beauftragt, übernimmt dieser nicht nur die Überführung, sondern bietet auch Unterstützung bei der Zulassung.
Fazit: EU-Reimporte als kluge Alternative zum Inlandskauf
EU-Importfahrzeuge bieten Autokäufern eine hervorragende Möglichkeit, beim Kauf eines Neufahrzeugs erheblich zu sparen. Viele der bekannten Mythen rund um dieses Thema entpuppen sich bei genauer Betrachtung als unbegründet. Wer sich gut informiert und auf einen seriösen Händler achtet, kann von den Vorteilen eines EU-Reimports profitieren, ohne nennenswerte Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.